Lernspaß auf dem Fahrrad-Parcours - Training für Flüchtlingskinder

Artikel aus dem BT Rastatt vom 16.04.2018 von Xenia Schlögl

Rastatt - "Da können nicht alle gleichzeitig fahren!", ruft Polizeihauptkommissar Klaus Brenner den Kindern auf dem Fahrradparcours zu. Die Vorfahrtsregeln müssen erst eingeübt werden. Elf Flüchtlingskinder zwischen acht und 13 Jahren steigen von den Fahrrädern ab und stellen sich der Reihe nach in verschiedenen Richtungen an der aufgemalten Kreuzung des Schulhofs der Augusta-Sybilla-Schule auf. Jetzt heißt es "Rechts vor links" lernen. 

Brenner, im Polizeipräsidium Offenburg für Prävention/Verkehrssicherheitsarbeit zuständig, hat die volle Aufmerksamkeit der jungen Teilnehmer. Zusammen mit seiner Kollegin, Polizeihauptmeisterin Kirsten Baumgärtner, erklärt er ihnen Verkehrsregeln und Verkehrszeichen.
"Es ist schwierig für Kinder am Anfang, das Fahrrad zu beherrschen und sich gleichzeitig korrekt im Straßenverkehr zu verhalten", erklärt Brenner, und: "Verkehrserziehung erfolgt zuerst zu Fuß."
Die Kinder sprechen Deutsch untereinander und erfahren im Laufe des Kurses, wie ein sicheres Fahrrad ausgerüstet sein soll und wie wichtig das Tragen eines Fahrradhelms ist.

Das Training wird in Zusammenarbeit mit dem Integrationsteam des Amts für Migration und Integration des Landratsamts Rastatt und des Polizeipräsidiums Offenburg durchgeführt. Tamina Hommer, Integrationsbeauftrage im Landratsamt, berichtet, dass durch eine Spende des Tulla-Gymnasiums Fahrradhelme angeschafft werden konnten. Es wurden Schulen, Sozialarbeiter und ehrenamtliche Mitarbeiter in Gemeinschaftsunterkünften und Eltern angeschrieben, Kinder zum Fahrradtraining anzumelden.
Der Besitz eines eigenen Fahrrads war im Übrigen keine Voraussetzung, da diese vom Polizeipräsidium gestellt werden konnten. Man sei von mehr Anmeldungen ausgegangen, aber die Nachfrage werde sicherlich in Zukunft steigen, so Hommer.
Die Eltern oder Aufsichtspersonen stehen am Rande und beobachten interessiert das Geschehen. Mit sichtlicher Freude durchfahren die Kinder immer wieder den Parcours. Anfahren vom Fahrbahnrand, Links-Rechts-Links-Schauen, Bremsen, Vorfahrt, Abbiegen.
Chypa, ein achtjähriges Flüchtlingsmädchen aus Kurdistan, ist eifrig bei der Sache und versucht, alles richtig zu machen. Die Tochter habe in ihrer Heimatstadt selten die Möglichkeit gehabt, mit dem Fahrrad zu fahren. Die Straßen waren oft steinig oder nicht asphaltiert, erzählt ihre Mutter Shno Ali.

Andrea Flackus, eine weitere Mitarbeiterin des Integrationsteams, plant, auch für erwachsene Flüchtlinge Fahrradkurse mit Verkehrstraining anzubieten: " So können sie mobil sein und besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen". Während einer Pause, in der Getränke und Brezel für alle gereicht werden, wird den Kindern ein kurzer Verkehrssicherheitsfilm gezeigt.

Polizeihauptkommissar Brenner erläutert, dass im bundesweiten Vergleich das Risiko für Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr zu verunglücken in Baden-Württemberg mit am geringsten sei. " Das beweist einmal mehr, die Relevanz von Fahrrad- und Verkehrssicherheitstraining".

Weitere Informationen über sicheres Verhalten im Straßenverkehr gibt es im Internet.
www.gib-acht-im-verkehr.de
www.germanroadsafety.de