Pakt für Integration - Integrationsmanager stehen Flüchtlingen zur Seite

Zwischen der Landesregierung und den kommunalen Landesverbänden wurde im April 2017 der Pakt für Integration mit dem Ziel geschlossen, die Kommunen bei der Integration von Flüchtlingen in der Anschlussunterbringung zu unterstützen.

90 Millionen Euro flossen über den Finanzlastenausgleich des Landes in Form einer Kopfpauschale direkt an die Kommunen. 70 Millionen Euro stehen für Förderprogramme zur Verfügung, davon der weitaus größte Anteil mit 58 Millionen Euro für das Integrationsmanagement. Diese Summen werden zweimal ausgeschüttet. Der Landkreis Rastatt erhielt dabei für die Umsetzung eines flächendeckenden Integrationsmanagements für zwei Jahre Fördergelder, die die Personalkosten der Sozialberatung für Flüchtlinge decken.
 
Die dafür einzusetzenden Integrationsmanager sollen die Integration von Geflüchteten in den Kommunen im Einzelfall steuern und fördern. Als Grundlage soll mit jeder Person eine entsprechende Integrationsvereinbarung geschlossen werden. Das Ziel ist es, dass die Menschen möglichst früh über eigenen Wohnraum verfügen und von staatlichen Leistungen unabhängig sind. Die Integrationsmanager erfassen die Bedarfe des Einzelnen und legen gemeinsam mit ihm Ziele und notwendige Schritte im Integrationsprozess fest. Diese werden dann in einem individuellen Integrationsplan zusammengefasst. Das Angebot für die Flüchtlinge beruht dabei grundsätzlich auf Freiwilligkeit, Sanktionen werden nicht verhängt.
 
Schon vor Inkrafttreten des Landesprogramms wurde die Sozialberatung für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung im Landkreis Rastatt auf Wunsch der Kommunen vom Landratsamt wahrgenommen. So konnte das Integrationsmanagement in bestehende Strukturen eingebaut werden. Dies war ausschlaggebend dafür, dass sich 22 Städte und Gemeinden für eine Übertragung der Aufgabe an den Landkreis entschieden haben.
 
22 Integrationsmanager haben bislang im Landkreis ihre Arbeit aufgenommen. In Bühl und Gaggenau wurden zwei Außenstellen eingerichtet, um so den Flüchtlingen eine wohnortnahe Erreichbarkeit anzubieten. Im Integrationsmanagement arbeiten überwiegend Sozialarbeiter oder Fachkräfte mit ähnlichen Qualifikationen mit Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit. Die Mitarbeiter der Sozialberatung sind vielfältig und multikulturell und verfügen mit Chinesisch, Albanisch, Griechisch, Französisch, Spanisch, Kroatisch, Rumänisch, Tschechisch und Quechua über eine beachtliche Anzahl an Fremdsprachen.
 
Ihre konkrete Aufgabe besteht darin, Flüchtlinge durch direkten persönlichen Beistand zu fördern und bei der Integration zu unterstützen. An erster Stelle stehen in der Regel Maßnahmen zum Spracherwerb und zur beruflichen Qualifizierung. Die Integrationsarbeit wird dabei in enger Kooperation innerhalb der bereits bestehenden Netzwerke geleistet. Dies gilt insbesondere für das Jobcenter und die Agentur für Arbeit, die die Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung anbieten, für die Volkshochschulen und Sprachkursanbieter und für die ehrenamtlich Engagierten, die viele Flüchtlinge bereits bisher intensiv betreuen. Hier kann das Integrationsmanagement direkt anknüpfen.
 
Ebenso ist auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Arbeitsaufnahme das Ziel, das oftmals über einen längeren Zeitraum vorbereitet werden muss. Nach Möglichkeit sollen die Flüchtlinge auch an bürgerschaftliche Strukturen herangeführt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Unterstützung von Familien und der Einbindung der Kinder und Jugendlichen. Hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Landkreises.
 
Die Arbeit der Integrationsmanager findet aufsuchend statt, d.h., die Sozialbetreuer nehmen selbst Kontakt zu den Flüchtlingen auf. Die Beratung kann hierbei an unterschiedlichen Orten stattfinden. Dies kann sowohl in Form von Hausbesuchen oder in den Unterkünften sein, als auch in den eingerichteten Sprechstunden in Rathäusern oder sonstigen Anlaufstellen.
 
Zur allgemeinen Beratung in Form regelmäßig stattfindender Sprechstunden der Integrationsmanager haben alle Flüchtlinge Zugang. Dort können Alltagsfragen zur Arbeitsmarktintegration, Wohnungssuche oder zum Status geklärt werden. Die Sozialbetreuer geben dabei grundsätzliche Informationen über Vorgänge, Rechte und Pflichten oder Strukturen weiter und verweisen bei Bedarf an weiterführende Angebote.
 
In einem weiteren Schritt steht dann die Erstellung eines Integrationsplanes an, in dem Ziele vereinbart und Daten der Flüchtlinge erfasst werden. Die Ziele sollen vor allem realistisch formuliert sein und vom Flüchtling selbst motiviert sein. Die Fachkräfte unterstützen die Migranten, festgelegte Ziele zeitnah umzusetzen und Hürden aus dem Weg zu räumen. Darüber hinaus fördern sie auch den für den Integrationsprozess wichtigen Austausch zwischen haupt- und ehrenamtlichen Kräften vor Ort.
 
Service: Weitere Information und Sprechstunden der Sozialberatung für Flüchtlinge finden SIe hier oder Telefon 07222 381-2153.
 
 
Bild: Sozialberaterin Yvonne Arheidt bei einem Beratungsgespräch im Rathaus Gaggenau (Foto: LRA)